Ausflüge

Bunker in Reschen – Besuch der historischen Grenzbefestigung

Tarnung von Bunker 20 Ausguck

Gute Tarnung ist bei einem Bunker wichtig

Nichtsahnend von dem einen oder anderen Bunker, den es hier zu entdecken gibt, fahren wir mit Freunden nach Reschen in Südtirol zum Skifahren. Unsere Bekannten waren schon einige Male hier und berichten von den Bunkern, die hier im Berg verborgen sind. Auch einige Geocaches sollen zu den Bauten der ehemaligen Verteidigungslinie Italiens führen. Ich werde hellhörig. Als ich dann noch mitbekomme, dass es eine geführte Bunkertour gibt, melde ich die ganze Familie an. Na gut, die anderen waren nicht so begeistert wie ich – aber mitgefangen, mitgegangen. Um 20.30 Uhr stehen wir (alle unterschiedlich begeistert) am Treffpunkt.

Führung zur Nr. 20 – dem Etschquelle-Bunker

Geführt werden wir von Florian Eller, dem früheren Vizebürgermeister von Graun und Obmann des Vereins Oculus, der die Wehranlage für die Bevölkerung zugänglich gemacht hat. Zuerst bekommen wir von ihm einen kleinen geschichtlichen Exkurs.

Der Bauplan vom Bunker Nr. 20

Bauplan Etschquelle-Bunker Nr. 20

Schlafraum im Bunker 20 Reschen

Florian Eller an dem Schautafel im ehemaligen Schlafraum

Obwohl Mussolini mit Hitler befreundet war, traute er seinem Nachbarn nicht über den Weg. Um eine Invasion des verbündeten Deutschlands nach Italien zu verhindern, sicherte er daher zwischen 1936 und 1942 die Reschengrenze ab. Die Verteidigungslinie entstand unter größter Geheimhaltung und bestand aus Bunkern, Gefechtsständen, Panzersperren, Kasernen und Nachschubstraßen.

Spannend ist, dass die einheimische Bevölkerung nichts davon wußte, was hier neben und unter ihrem Dorf passierte. Die Bauarbeiten wurden von Süditaliener durchgeführt – Tiroler waren daran nicht beteiligt.

Neun Bunker und eine Panzersperre

In Reschen selber gibt es neun fast baugleiche Bunker mit jeweils 270 Meter Gängen und rund 440 qm Fläche. Außerdem befindet sich oberhalb von Reschen, in dem als Naturdenkmal ausgewiesenen Hochmoor, die Panzersperre Plamort. Einen Besuch dorthin werde ich dieses Jahr aber wohl nicht schaffen.

Entfeuchtungsanlage im Bunker 20 Reschen

Die in den 1960er Jahren eingebaute Entfeuchtungs-Anlage funktioniert immer noch

Schlafraum im Bunker 20 Reschen

Dafür besuchen wir jetzt den Etschquelle-Bunker Nr. 20. Er ist besonders interessant, da die Etsch in ihm seinen Ursprung nimmt. Die Quelle des mit 415 km zweitlängsten Flusses Italiens, liegt mitten im Bunker. Die Erbauer haben damals einfach eine Leitung nach außen gelegt und einen Brunnen vor der Wehranlage errichtet. Wie viele der Touristen, die den Weg hier hoch zur Quelle finden, wohl wissen, dass der Fluß gar nicht hier aus dem Berg sprudelt?

Bunker Etschquelle

Da kommt es her – das Wasser aus der Etschquelle. Bis zur Quelle kommt man nicht

Schießschacht Bunker Reschen

Drei Soldaten sollten in so einem Schießschacht arbeiten. Ein vierter wäre für die Sauerstoffzufuhr zuständig gewesen

Florian bringt uns zum Eingang von Bunker-Nr. 20 und wir fühlen uns ein bisschen wie im Vergnügungspark. Die aus dem Stein gesprengten Bunker wurden nämlich mit Spritzbeton und dem abgesprengten Gestein getarnt. Vor den Schießscharten und Ausgucken kann man beispielsweise künstliche Abdeckungen öffnen. Spannend.

Im Bunker sind die Murmeltiere stationiert

50 Mann – wegen ihrem Arbeitsplatz unter der Erde Murmeltiere genannt – waren in einem Bunker stationiert. Und während des Kampfeinsatzes konnten die Soldaten den Bunker nicht verlassen. Darum gab es Lebensmittelrationen: Jeder bekam für 8 Tage einen 12 Liter Kanister Wasser, kalte Mahlzeiten und hochprozentigen Alkohol zugewiesen. So konnte man sicherstellen, dass die jungen Soldaten sich ausreichend Übermut antrinken, um in die Schlacht zu ziehen. Zum Glück ist es hier in Reschen aber nie dazu gekommen – der damals verteilte Alkohol ist heute übrigens verboten.

Türen im Bunker von Reschen

Vorbild für die Schleusen im Bunker waren U-Boot-Türen.

Das Ende des Kalten Kriegs bedeutete auch das Aus für die Bunker in Reschen. 1990 kam der Befehl zum Abrücken und 1991 hat man die Anlage entmilitarisiert. Alle Waffen wurden eingesammelt und vernichtet. Erst Anfang der 2000er Jahre wurden die Bunker dann wieder geöffnet. Zum Glück – sonst hätte ich ja nicht rein gekonnt. Ach ja – noch eine kurze Warnung. Heute sind die Hauptnutzer der Anlage Spinnen. Meine Tochter war nicht besonders amüsiert darüber, dass die dicken schwarzen Tiere uns auf Schritt und Tritt beobachteten. Zum Glück ist die Anlage aber nicht so eng, als dass man direkten Kontakt aufnehmen müsste.

Wenn ihr mal hier seit, bucht ruhig eine Besichtigung im Fremdenverkehrsbüro. Die 1,5 Stunden lohnen sich.

 

4 Kommentare

  1. “unterschiedlich begeistert” – ich musste kräftig lachen!

    Ähnliche Festungsbauwerke haben die Schweizer vor und während des zweiten Weltkriegs ebenfalls angelegt.

    • Hihi. Ja. Also ich fand es absolut genial und spannend. Albert fand es ok, hätte aber sich ohne die Infos gut weiter leben können. Luna hatte Panik wegen der in den Bunker hausenden Spinnen und wollte schnellstmöglich wieder raus und Laurin fand es einfach nur unnötig und Zeitverschwendung. Die unterschiedlichen Gesichtsausdrücke kannst du dir vorgestellten.

  2. … wenn Euch das gefallen hat, dann lade ich Euch doch gerne mal zu einem Besuch im n8bunker im pustertaler Olang ein … YOU ARE WELCOME!

    • Hui – du bist Eigentümer eines eigenen Bunkers? Wie cool ist das denn? Gerne melde ich mich, wenn ich mal in der Nähe bin.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.