Ausflüge

Besucherbergwerk Grube Christiane – Eisenerzabbau hautnah

Besucherbergwerk Grube Christiane am Dieselseegesponsert* “Glück auf” – mit diesem traditionellen Gruß startet unsere 1,5stündige Führung durchs Besucherbergwerk Grube Christiane (Website). Genau wie damals die Bergleute, hoffen auch wir, dass sich uns die Schätze des Berges offenbaren und wir am Ende der Tour wieder wohlbehalten ans Tageslicht kommen.

Na gut, bei einem Besucherbergwerk sind die Risiken ja kalkulierbar. Von Grubenunglücken in diesem Zusammenhang gibt es wenig zu berichten. Eine Staublunge von den Sprengungen und Bohrungen bekommen wir nicht, der ohrenbetäubende Lärm der Maschinen ist verebbt, die Wege sind gut ausgeleuchtet und alles ist aufgeräumt. Gegen die anderen Widrigkeiten haben wir eine Regenjacken und einen Schutzhelm bekommen. Das Hämatit im Gestein könnte sonst unsere Klamotten rot färben. Außerdem tropft es hier – je nach Witterung – von der Decke und ein Kopfschutz macht bei den oft niedrigen Schachthöhen auf jeden Fall Sinn. Ich kann mir ein Kichern nicht verkneifen, als ich, kaum dass unsere Führung gestartet ist, schon Alberts Helm an der Schachtdecke schleifen höre.

Ein Schacht im Besucherbergwerk Grube Christiane

Hier geht’s rein

Jutta Westphal und Albert Weinert

Gut geschützt

 

 

 

 

Die Heilige Barbara wacht über das Besucherbergwerk Grube Christiane

Um ins Besucherbergwerk zu kommen, steigen wir lediglich eine paar Treppenstufen herunter. Ein kurzer Gruß zur Heiligen Barbara (die Schutzpatronin der Bergleute), deren Statue uns in Empfang nimmt und schon befinden wir uns in einem der alten Stollen. Obwohl es lediglich ein Gefälle von einem Höhenmeter pro 400 Metern Strecke gibt, bewegen wir uns immer weiter “unter Tage”. Klar, schließlich gehen wir unter den Martenberg, dessen von Eisenerz durchzogenes Gestein über uns aufragt.
Bereits im Spätmittelalter hat man hier am Diemelsee-Adorf unter Tage Erz abgebaut. Damals noch ohne Dynamit und oder sonstigen Firlefanz.
Arbeiten im Besucherbergwerk Grube ChristianeVielmehr wurden mühsam Schlitze in den Stein geschlagen, in die dann Holzscheite eingebracht wurden. Mit Wasser getränkt dehnte sich das Holz dann aus und vergrößerte den Spalt bzw. sprengte den Stein ab. So ist es halt, wenn man – wie es die Kirche damals verlangte – im “Schweiße seines Angesichts” seinen Unterhalt verdienen musste.

Zum Glück wurden die Arbeitsbedingungen immer besser

Die Bedingungen sind im Laufe der Zeit besser geworden. Elektrische Hämmer und Dynamit machten die Arbeit zwar körperlich leichter, aber nicht unbedingt gesünder. Ohrenbetäubender Lärm und ununterbrochener Gesteinsstaub waren die Folgen des Fortschritts. Auch die Feuchtigkeit hier unten machte den Arbeitern zu schaffen. Wenn die Klamotten in der Nacht nach der Schicht nicht trocken wurden, ging es am nächsten Tag mit feuchter Kluft wieder unter Tage. Lungen-Entzündungen waren an der Tagesordnung.

Unter Tage im Besucherbergwerk Grube ChristianeWie hier damals genau gearbeitet wurde und wie sich die Bedingungen über die Jahre verändert haben, wird auf dem Rundgang mit Hilfe von Puppen sehr anschaulich dargestellt. Aber auch die lebhaften Erzählungen unseres Führers lassen die alten Zeiten wieder auferstehen. Beispielsweise wurde an einige Stellen ganz halsbrecherische kopfüber auf Leitern gearbeitet. Heute steht man nur noch da und schaut mit offenem Mund nach oben. Da soll jemand gearbeitet haben? Faszinieren – und sicher ganz schön gefährlich. Nicht ohne Grund siedelte sich bereits 1650 der erste Chirurg in der Nähe der Grube an. Es kam immer wieder zu Unfällen, und so gab es für den Knochendoktor viel zu tun.

Erfolgsabhängige Bezahlung – auch für Bergleute

Bezahlt wurden die Kumpel übrigens nach dem Erzgehalt ihres Abbau. Der lag hier in der Miene zwischen 35 und 60 % – es konnte also schon zu deutlichen Gehaltsschwankungen kommen. Und der Scheiße-Major (irgendjemand musste ja die Ausscheidungen der Mienenarbeiter ans Tageslicht bringen), bekam noch ein kleines Extra am Fiskus vorbei in seine Lohntüte. Ob daher der Spruch “Aus Scheiße Geld machen” kommt?

Schacht im Besucherbergwerk Grube Christiane1917 galt die Grube Christiane als “ausgeerzt” und wurde stillgelegt. Im Zuge des 2. Weltkriegs ist 1936 entschieden worden, nochmal Testbohrungen zu machen. Zwischen 1938 und 1968 ist das Bergwerk wieder in Betrieb genommen worden und wurde dann endgültig geschlossen. Zwar gibt es hier nach wie vor Eisenerz zu finden, aber aktuell ist es wirtschaftlich nicht rentabel, dieses abzubauen. Erz aus Schweden oder Brasilien ist einfach deutlich billiger. Aber wer weiß, ob sich das nicht mal wieder ändert… immerhin war hier ja schonmal alles dicht.

Geheimgang im Besucherbergwerk Grube Christiane

Da hinten, gleich hinter den Grubenenten, geht es in den 4 km “Rundstollen” (Achtung – Wortschöpfung) um den Berg

Mitte der 80er Jahre wurde die Grube Christiane dann zu einem Besucherbergwerk umgebaut. Gerne hätte ich zu dem Trupp gehört, der die Beleuchtung in den alten Stollen, in den Ecken und Winkeln der Höhlen angebracht hat. Hierzu mussten die Mitglieder des Knappenvereins  Adorf – die ehrenamtlich einen Großteil des Umbaus durchgeführt haben – in die hintersten Ecken klettern. Sicher ein tolles Abenteuer. Gemeinsam mit bezahlten Helfern wurde das Besucherbergwerk in insgesamt 17.414 Arbeitsstunden so hergerichtet, wie man es seither besichtigen kann.

Die Aufbereitung des Besucherbergwerk Grube Christiane war sehr aufwändig

Der authentische Charme der alten Grube wurde dabei bestmöglich beibehalten und alle Zugänge zu tieferen Stollen geschlossen oder verschüttet. Es gibt aber noch einen ca. 4 km langen Stollen/ Kriechtunnel der einmal unter dem Martensberg her führt. Er ist auch nicht wirklich gut zugänglich, auf der Tour sind wir aber an den beiden Eingängen/Ausgängen vorbei gekommen. Wie gerne würde ich mir die Wathose anziehen, eine Stirnlampe umschnallen und mich auf den Weg machen… Falls das hier ein Verantwortlicher ließt – wenn das geht… bitte melden :-).

Wenn ihr in der Nähe seit, die wunderschönen Sauerland-Wanderdörfer besucht oder auf dem Dieselsteig wandert (die Berichte über meine Touren findet ihr hier), dann macht einen Abstecher zur Grube Christiane. Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall. Auf der gut 1,2 km langen Strecke bekommt man einen sehr guten Eindruck von der Arbeit in einem Erzbergwerk. Die schwarzen und roten Steinwände sind beeindruckend. Algen- und Kalkablagerungen haben wunderbare Skulpturen und Farbspiele gebildet und obwohl Menschen die Gänge in den Berg getrieben haben, ist alles sehr urig und “natürlich”.

Schwarze Wände im Besucherbergwerk Grube Christiane

Das moderne Museum am Besucherbergwerk Grube Christiane lädt zum Stöbern ein

Und wer nach der Führung immer noch nicht genug hat, der besucht einfach das kostenlose und interaktive Info-Center. Es beantwortet anschaulich und kurzweilige Fragen wie: Warum gibt es am Martenberg überhaupt Eisenerz? Wie entsteht Eisenerz? Wie wird Eisenerz abgebaut und wofür wird es benötigt? Und noch viele mehr. Die vielen Mitmachstationen laden zum Entdecken, Ausprobieren und Erfahren ein. Aber probiert es doch einfach selber aus.

Museum am Besucherbergwerk Grube Christiane

Info-Center

* Ich wurde von den Sauerland-Wanderdörfern zu einem Wochenende in der Region Diemelsee eingeladen. Die Eintrittskarten für das Besucherbergwerk Grube Christiane wurden uns kostenlos zur Verfügung gestellt.

Wo man mich noch findet:

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