20 - 30 km Wandern Wandern in Rheinland Pfalz Weinsteig

Pfälzer Weinsteig – von Sankt Martin nach Neustadt

Brücke am Pfälzer Weinsteig

Los geht es – auf den Pfälzer Weinsteig

Mit ein bisschen Ehrfurcht starte ich heute von St. Martin aus meine Wanderung auf dem Pfälzer Weinsteig. Immerhin liegt die fünfte und längste Etappe des Prädikatswegs vor mir, mit etwas über 800 Höhenmetern. Und mit dem Anstieg beginne ich schon, bevor ich überhaupt einen Fuß auf den Weinsteig gesetzt habe. Von der Pension Dalberg aus sind es nämlich gut 1,5 Kilometer bis zum Fuß der Haardt, wo ich mich nach rechts wende und über eine kleine Holzbrücke durch den Wald in Richtung Kalmit gehe.

Zuerst führt mich der Weinsteig auf den Kalmit

Steine auf dem Pfälzer Weinsteig

Wie es aussieht, hat jemand aufgeräumt

Der Himmel ist strahlend blau und die Sonne steht so früh am Morgen schon hoch am Himmel. Einfach toll – und auch der Weg zieht mich von Anfang an in seinen Bann. Er führt über Stock und Stein und ich genieße den Duft der knorrigen Kiefern um mich herum. Dabei geht es stetig bergauf und ich muss aufpassen, wohin ich meine Füße setze. Meine nächsten Wanderschuhe werden auf jeden Fall knöchelhoch werden. Ein bisschen mehr Stabilität am Gelenk gäbe mir auf diesem Wegstück Sicherheit. Jetzt hüpfe ich halt einfach wie eine Gemse auf den Steinen herum und passe auf, dass ich nicht wegknicke. Gut, dass außer mir im Moment niemand anders unterwegs ist.

Auf dem Weg zum Kalmit auf dem Weinsteig

Durch den Kiefernwald gelange ich zum Felsenmeer

Nach gut einer halben Stunde biege ich links ab und wandere gemütlich auf weichem, von Kiefernnadeln bedecktem Waldboden. Schön, nach dem Anstieg auf ebener Strecke kurz durchatmen zu können. Ich kreuze einen breiten Waldweg und steige dann rechts einen kleinen Pfad in Richtung Felsenmeer hinauf.

Pfälzer Weinsteig

Unterhalb des Felsenmeers Weinsteig

Buntsandstein

Um mich herum wird es felsiger und dicke Sandsteinbrocken kündigen den steinernen Ozean an, das erste von vielen Highlights auf dieser Tour. Der Nachteil: Ich bekomme Nackenschmerzen, weil ich ein gutes Stück des Weges mit nach links oben gewandtem Kopf wandere. Die Felsen sind bunt, groß und wunderschön. Einfach toll. Leider führt der Pfälzer Weinsteig nicht direkt durch das Felsenmeer, sondern eher am Rand entlang. Ein kurzer Abstecher nach links in die Felsen hinein lohnt sich, auch wenn der Track eigentlich sagt, ich müsse rechts weiter. Aber wer macht schon, das der Track sagt? Ich suche lieber im Felsenmeer nach einem Geocache und mache eine gemütliche Frühstückspause. Für ein ausführlicheres Erforschen des Gebiets fehlt mir leider die Zeit und zum Verstecken spielen eine zweite Person *g.

Blick vom Kalmit über die Rheinebene

Tolle Aussicht vom Kalmit in die 500 Meter tiefer liegende Rheinebene

Nach der kurzen Pause geht es zurück auf den Weinsteig und rauf zum Kalmit. Kurz unterhalb der Aussichtsplattform gibt es einen PKW- und Busparkplatz. Hier hält an Sonn- und Feiertagen fünfmal täglich ein Linienbus. Das ist zwar nicht besonders oft, aber wer eine Streckenwanderung von hier aus plant und sich den anstrengenden Aufstieg sparen möchte, der kann den 503er von St. Martin oder Neustadt nehmen. Vom Parkplatz aus sind es nur noch wenige Meter bis zum Kalmithaus. Die Hütte ist heute (natürlich) geschlossen, aber die tolle Aussicht kann ich trotzdem genießen. Die ist allerdings heute Vormittag ganz schön diesig.

Vom Kalmit führt der Pfälzer Weinsteig mich zur Hohe Loog

Blick rauf zum Kalmit vom Weinsteig

Ein kurzer Blick zurück zum Kalmit

Der Abstieg vom Kalmit erfolgt über eine unregelmässige, recht steile Treppe vorne die Aussichtsplattform hinunter und einen felsigen Pfad entlang. Wiedermal freue ich mich, dass ich meinen Wanderstab dabei habe. Nachdem ich eine Straße überquert habe, wandere ich durch einen dichten, schattigen Nadelwald. Genau wie auf meiner gestrigen Weinsteig Etappe von Edenkoben bis St. Martin bin ich auch heute wieder von der ständig wechselnden Flora auf der Haardt fasziniert. Es wird zu keiner Zeit langweilig und ich ertappe mich dabei, mit mir selber zu Wetten, wann sich die Landschaft wieder verändert.

An der Bushaltestelle “Zur Hohe Loog” quere ich nochmal die Straße und gehe über den asphaltierten Parkplatz. Und wieder geht es hinauf, diesmal zur Hohe Loog. Ich komme an moosbewachsenen Steinen vorbei und entdecke dahinter eine gemütliche Pausenbank. Warum sie hier steht, kann ich allerdings nicht ganz nachvollziehen. Immerhin erwartet mich ein paar Meter weiter die tolle Fernsicht von der Terrasse des Hohe Loog Hauses aus. Die Hütte hier ist natürlich dienstags auch geschlossen… ich muss es mir wirklich abgewöhnen, außerhalb der Saison/Wochenenden zu wandern – hihi.

Trotzdem mache ich es mir wieder auf den Holzbänken bequem und hole mein Brötchen aus dem Rucksack. Die Sonne ist wunderbar warm und was gibt es Schöneres, als nach einem Anstieg eine kleine “Belohnung” zu genießen. Von hier habe ich einen tollen Blick zurück zum Kalmit, auf dem ich eben noch war. Sieht ganz schön weit weg aus, oder?

Blick von der Hohe Logo zum Kalmit

Blick zurück zum Kalmit – eben war ich noch dort.

Aussicht von der Hohen Loog

Praktisch wenn man erfährt, was man sieht

Durch den Fichtenwald geht es wieder abwärts. Als der Boden sandig wird, nehme ich den Weg, der rechts in den Wald führt. Hach – ich weiß gar nicht, wie sehr ich noch schwärmen soll, dabei habe ich noch nicht mal die Hälfte der Strecke hinter mir. Es ist einfach so schön hier… zwischen den Bäumen wachsen Heidekraut und Blaubeeren und eine ruhige Stimmung umschließt mich.

Manchmal komme ich mir auf dem Weinsteig vor wie in der Toskana

Nach der Sommerberg-Schutzhütte wird der Weg wieder felsiger und unebener. Er führt am Hang entlang und die Fichten und das tolle Wetter geben allem wieder einen südländischen Flair. Bevor der Weg nach links abbiegt, gibt es auf dem Sommerberg eine kleine Bank (und einen Cache) mit einem tollen Blick auf Maikammer und Edenkoben. Herrlich wenn man sieht, was man schon alles geschafft hat, oder?

Pfälzer Weinsteig zum Sommerberg

Erst wandere ich in südländischer Atmosphäre aufwärts…

Sommerberg Blick nach Maikammer auf dem Pfälzer Weinsteig

… dann genieße ich den tollen Blick vom Sommerberg zurück nach Maikammer und Edenkoben.

Blick zum Hambacher Schloss vom Pfälzer Weinsteig

Hambacher Schloss voraus

Hmm – bald muss eigentlich die nächste Sehenswürdigkeit auf meiner heutigen Tour in Sicht kommen und richtig… als links vom Weg die Bäume ein bisschen Platz machen, habe ich eine tolle Sicht auf das Hambacher Schloß. Das im 11. Jahrhundert erbaute Schloss wurde 2015 zum Europäischen Kulturerbe erklärt und mit dem Europäischen Kulturerbe-Siegel ausgezeichnet. Außerdem gilt das Hambacher Schloß als “Wiege der deutschen Demokratie”, nachdem es 1832  durch eine sechstägige Protestveranstaltung von etwa 30.000 Menschen zu einem bedeutenden Schauplatz der frühen deutschen Demokratie­bestrebungen wurde. Ob ich hier wohl einen Kaffee bekomme? Oder haben die heute auch Ruhetag?

Endlich… ich bekomme einen Kaffee

Pflastersteine auf dem Pfälzer WeinsteigBevor ich das herausfinden kann, wandere ich aber noch ein Stück im Bogen über ein (so kommt es mir vor) antikes Kopfsteinpflaster. Ich grinse in mich hinein und bedauere die früheren vornehmen Herrschaften. Schließlich sind sie nicht gegangen, sondern haben für einen Besuch des Schlosses diese Strecke in einer Kutsche zurückgelegt. Das kann doch nicht bequem gewesen sein. Naja, zum Wandern ist dieser Untergrund auch nicht gerade optimal, aber der Wunsch nach einem Kaffee treibt mich voran. Und tatsächlich… die Burgschänke am Fuß des Schlosses hat geöffnet und bevor ich mich auf den Weg hinauf zum selbigen mache, gönne ich mir einen leckeren Milchkaffee und einen Crepe mit Waldbeeren.

Blick vom Tor zum Hambacher Schoss

Durchs eiserne Tor geht es zum Schloss

Blick über die Rheinebene vom Hambacher Schloss aus

Blick geradeaus in Richtung Hambach und links Neustadt… mein heutiges Ziel

Foto vom Hambacher SchlossGestärkt und ausgeruht lasse ich meinen Rucksack in der Gaststätte stehen (vielen Dank an die nette Bedienung dafür) und gehe ohne Ballast auf dem Rücken zum Hambacher Schloss hinauf. Für eine Besichtigung oder Führung fehlt mir leider die Zeit, aber ich laufe darum herum und spaziere über den Schlosshof. Wirklich schön die “alten Steine”.

Nach der Pause geht es gleich wieder bergauf

Anstieg Pfälzer Weinsteig

Kleiner Pfad mit knackigem Anstieg

Nachdem ich meinen Rucksack wieder umgeschnallt habe, geht es über den Parkplatz der Burgschänke weiter auf dem Weinsteig. Dieser bäumt sich nochmal auf und ich mache mich an den letzten richtig knackigen Aufstieg der Etappe. Puah – Jutta kommt ins Schnaufen. Gut, dass ich mich vorher etwas ausgeruht habe. Ein bisschen werde ich von den moosbewachsenen Steinen und den wild herumliegenden Baumstämmen am Wegesrand abgelenkt. Das ganze erinnert mich daran, als meine Kids noch klein waren und ihre Kiste mit Bauklötzen und Spielzeug umgekippt haben. Ein heilloses Durcheinander… aber hier im Wald hat das irgendwie mehr Charme.

Pfälzer Weinsteig moosbedeckte Steine

Das “Durcheinander” kommt auf dem Foto nicht ganz so schön rüber – ihr müsst selber mal gucken gehen.

Am Altarstein vom Sünderkreuz

Verschnaufen am Altarstein vom Sünderkreuz

Oben angekommen führt der Track nach rechts, ich gehe aber die gut 200 Meter links Richtung Sünderkreuz. Sie an, wie weit das Hambacher Schloß schon wieder hinter mir liegt – und wie weit unten. Kein Wunder, dass ich hier mit rotem Kopf stehe. Darum lasse ich mich von dem Pärchen, dass kurz nach mir den Aufstieg gemeistert hat, auch nur von hinten fotografieren – lach.

Jetzt aber zurück. In einem gemütlichen Auf und Ab geht es durch den Wald bis zum nächsten Aussichtspunkt. Der Bergstein ist eine 8 Meter hohe, als Naturdenkmal ausgewiesene Sandstein-Felsformation. Über eine Eisentreppe kann man hinaufsteigen, was ich natürlich auch mache.

Der Hambacher Bergstein am Weinsteig bei Hambach

Der Bergstein

Auf einmal wandere ich zwischen Birken

Weiter geht’s. Erst führt mich der kleine Pfad abwärts, bis ich einen breiteren Waldweg erreiche, dann geht es links bergauf weiter. Ich komme an der kleinen Speierheld Schutzhütte vorbei und gehe geradeaus weiter. Dann gucke ich nicht schlecht, als ich “plötzlich” von Birken umgeben bin.
Birken auf dem WeinsteigDas ist neu, bisher bestand der Wald hier entweder aus Kiefern oder aus Buchen und Eichen. Wie das wohl kommt? Ich wünschte, ich wäre Geologe oder Botaniker und könnte hierzu eine Erklärung finden. Während ich darüber noch nachgrübele, wurden die Birken schon wieder von knorrigen Fichten abgelöst. Es ist so mystisch hier – fast, als würden die Bäume nach mir greifen. Aber nicht, um mich zu vertreiben, sondern um mich zu umarmen und in ihre Mitte zu nehmen. Ich fühle mich wohlig geborgen, was auch an der Ruhe hier liegen kann. Alles was ich höre, sind die Geräusche, die ich selber mache.

Knorrige Fichten auf dem Pfälzer Weinsteig

Aufstieg zum Nollenkopf

Hier geht es steil hinauf zum Nollenkopf

Der Weg verläuft schnurgerade auf einer Art Bergrücken entlang. Dann stutze ich kurz… soll ich wirklich dieses kurze und steile Stück hinaufklettern? Sieht ganz so aus. Oben am Hang entdecke ich das rot-weiße Weinsteig Logo. Also steige ich hinauf und stehe auf dem Nollenkopf. Von diesem 490 Meter hohen Berg aus habe ich einen wunderbaren Rundblick und genieße zum letztes Mal für heute die Aussicht. Dann mache ich mich – mit Neustadt vor Augen – an den Abstieg.

Zigeunerfelsen

Der Zigeunerfelsen

Blätter auf dem Weinsteig

Ganz schön viel Laub hier beim Abstieg

Der Abstieg ist ganz schön steil… zum Glück muss ich hier nicht hinauf

Es geht hier steil runter und ich folge den Wegweisern bis zum Zigeunerfelsen. Diesen interessanten Sandstein schaue ich mir kurz genauer an, bevor ich den immer noch sehr steilen Abstieg fortsetze. Nach ein paar Serpentinenschleifen komme ich unten auf einem breiten Waldweg an. Geschafft. Kurz freue ich mich darüber, auf diesem ebenen Weg ganz gemütlich entlang zu wandern, doch nach wenigen Minuten wird mir die Streckenführung langweilig. Hihi – die letzten Kilometer haben mich einfach zu sehr verwöhnt. Jetzt bleibt mir nur noch, den Wandermarkierungen bis ins Neustädter Zentrum zu folgen. Schade… es sieht so aus, als wäre die Weinsteig-Etappe jetzt zu Ende.

Fazit

Eine absolut empfehlenswerte Tour – volle Punktzahl (wenn ich denn Punkte verteilen würde). Die Landschaft ist der Hammer, die Wegführung abwechslungsreich und die Steigungen herausfordernd aber machbar. Tolle Fernblicke über die Rheinebene wechseln sich mit Sandsteinfelsen, verwunschenen Wälder und südländischem Flair ab. Außerdem gibt es in moderaten Abständen von 3 – 5 Kilometern immer wieder Sehenswürdigkeiten und Highlights am Wegesrand, die die Strecke in kleine Abschnitte unterteilen. Wenn man zur richtigen Zeit unterwegs ist (Montag und Dienstag ist eher ungünstig) , kann man sich außerdem an den bewirtschafteten Hütten stärken. Eine Tagestour der Extraklasse!

Und in Kombination mit dem Weinsteig-Stück von Edenkoben nach St. Martin ergibt sich ein toller Wochenendrundweg: Anreise zum Bahnhof Edenkoben, Wanderung über die Villa Ludwigshöhe/ Rietburg auf dem Weinsteig nach St. Martin. Hier übernachten und dann weiter auf der hier beschriebenen Tour nach Neustadt. Von dort dann mit der Bahn in wenigen Minuten zurück nach Edenkoben. Ein Traum!

Den Track zur Wanderung könnt ihr euch bei Outdooractive runterladen. Und gecached wurde natürlich auch: GCYYQPGC493D9, GC6ZAYGGC12WPC, G493DW, GC61JTD und GC4X72.

Statistik Weinsteig Etappe 5Für die Statistik:

24,5 km
817 Höhenmeter (nur Anstieg)
7 Stunden 02 Minuten in Bewegung
2 Stunden, 10 Minuten Pause
3,5 km/h reine Gehzeit
2,7 km/h inkl. Pause

 

Das Höhenprofil der Tour

Wo man mich noch findet:

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