Ausflüge

Pretty in Pink – die Pfälzer Mandelblüte

Einmal im Jahr färbt die Mandelblüte die Pfalz rosa. Wenn die rund 200.000 Mandelbäume blühen, leuchtet es zwischen Bad Dürkheim und Schweigen-Rechtenbach in Fifty Shades of Pink. Wann das genau ist, dass entscheiden die Mandelbäume jedes Jahr neu. Abhängig von Sonnenschein, Temperatur und Niederschlag, findet die Blüte meist irgendwann im März oder April statt. Aber eben nur meistens… in der Saison 2016 öffneten sich die ersten Blüten bereits zwischen Weihnachten und Silvester 2015/16.

Für die Region ist die Wechselhaftigkeit der Natur immer wieder eine Herausforderung, Schließlich gibt es umfangreiche Veranstaltungen zu organisieren, Touren zu planen und die wachsende Zahl der Mandelblüten-Fans auf dem Laufenden zu halten. Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall. Und die Möglichkeiten, die Mandelblüte zu genießen, sind vielfältig.

Mandelblütenfest Gimmeldingen

Mandellehrpfad Gimmeldingen

Auf dem Mandellehrpfad

Seit 1934 wird in Gimmeldingen, einem zu Neustadt an der Weinstraße gehörendem Weindorf, die Mandelblüte mit dem Mandelblütenfest (Link) gefeiert. Nach einer kriegsbedingten Unterbrechung wurde die Tradition 1950 wieder aufgenommen und um die Krönung einer Mandelkönigin erweitert. 2017 fand das Fest am 25./26.03. mit 30 Ausschankstellen, 7 “Freßbuden” und 20 Kunsthandwerkern statt. Über 25.000 Besucher waren 2017 in Gimmeldingen und haben die Mandelblüte gefeiert.

Auch sehenswert sind der Mandelblüten-Panoramaweg mit toller Aussicht vom König-Ludwig-Pavillon und der Mandelblüten-Lehrpfad, auf dem man anhand von 100 Bäumen und 15 unterschiedlichen Mandelsorten einiges über diese Pflanzen lernen kann. Beides ein absolutes Muss für Mandelliebhaber. Und da diese beiden Wege nicht nur am Wochenende des Mandelblütenfestes blühen, kann man sie auch ganz in Ruhe genießen.

Pavillion auf dem Panoramaweg in Gimmeldingen

Vom König-Ludwig-Pavillon hat man nicht nur einen wunderschönen Blick auf Gimmeldingen und den Mandellehrpfad, es gibt auch leckeren Wein und Kaffee/Kuchen

Mandelmeile Edenkoben

Auch Edenkoben ist mit seiner Mandelmeile einer der HotSpots während der Mandelblüte. An einem Wochenende (in diesem Jahr war es das erste Aprilwochenende) laden die regionale Gastronomie und ansässigen Winzer zu kulinarischen Genüssen ein. Entlang der Villastraße, die sich im März/ April  in eine zauberhafte Mandelblütenallee verwandelt, spaziert man unter einem rosa Dach vom Stadtzentrum bis hinauf zum Schloss Villa Ludwigshöhe.

Wein und Mandelblüte in Edenkoben

Weinstöcke und Mandelblüte in Edenkoben

Villenstraße mit Mandelblüte

Auf der Villenstraße gibt es nicht nur Mandelblüte, sondern auch einen Weinlehrpfad

Für die motorisierten Verkehrsteilnehmer gilt während er Veranstaltung auf der Villastraße eine Geschwindigkeitsbeschränkung von 30 km/h, deren Einhaltung streng überwacht wird.

Mandelblüte auf dem Mandelpfad

Mandelblüte kurz vor Wachenheim

Pfälzer Mandelpfad

Auf 77 km schlängelt sich der Pfälzer Mandelpfad von Bad Dürkheim bis nach Schweigen- Rechtenbach. Er ist übrigens der Grund dafür, warum ich auf die Mandelblüte in der Pfalz aufmerksam geworden bin. Eigentlich war geplant, dass ich die kompletten 77 km gehen. Nach einer Rücksprache mit dem Tourismusverband Rheinland Pfalz habe ich mich aber auf das Teilstück von Gimmeldingen nach Bad Dürkheim beschränkt. Was auch gut und ausreichend war. Der Weg war wirklich schön und es gab tolle Fernsichten über die Pfalz und den Rheingraben. Wäre ich den Weg aber nur wegen der Mandelblüte gegangen, wäre ich etwas enttäuscht gewesen. Weite Strecken sieht man gar keine pinken Blüten und wenn, stehen sie oft entlang der Bundesstraße. Mit dem Cabriolet hier entlang zu fahren, ist dann sicherlich toll, zu Fuß bevorzuge ich aber die ruhigeren Pfade.

Pfälzer Mandelblüte – die Veranstaltungen

Neben den oben bereits erwähnten Mandelblüten-Festen und dem Mandelpfad, finden zur Zeit der Mandelblüte in der Pfalz noch viele weitere Veranstaltungen statt. Es gibt beispielsweise geführte Spaziergänge zu den schönsten Mandelbäumen, Segway-Touren, Panoramafahrten im Oldtimerbus, einen CupCake Wettbewerb, Wellness-Anwendungen mit Mandelöl, Malkurse, Genießertouren und sogar einen Mandelkaffee – den Tanja von vielweib.de probiert hat. Wie ihr seht, Angebote für die ganze Familie. Aber schaut doch kurz vor der nächsten Mandelblüte selbst mal auf der Website mandelbluete-pfalz.de (Link) vorbei und plant euren ganz individuellen Ausflug in die Fifty Shades of Pink. Es ist wirklich toll.

Weiße Mandelblüte in Edenkoben

Weiße Mandelblüte – je weißer die Blüte, je bekömmlicher die Mandel

Noch ein paar Details zu den Mandeln gefällig?

Die Mandel ist eine Pflanze mit Migrationshintergrund. Die Römer haben sie zusammen mit dem Wein in die Pfalz gebracht und am Rand der Weinberge angepflanzt. Im Mittelpunkt stand aber damals (anders als heute) nicht die schöne Mandelblüte, sondern der Verkauf der Mandel selbst. Sie stellte damals ein wichtiges Nahrungsergänzungsmittel dar. Immerhin konsumierte jeder Mensch im Mittelalter durchschnittlich 200 Liter Öl im Jahr. Und ein Teil davon war das beliebte Mandelöl, aus dem der Kern der Schalenfrucht (jupp – die Mandel ist keine Nuss) zu 40 – 60 % besteht. Außerdem enthält das Mehl der Mandel viele ungesättigte Fettsäuren und hat keinerlei allergenes Potential. Meine Kids haben auch Mandelmus in ihren Brei gemischt bekommen -und sie sind sehr gut gelungen :-).

Mandelbäume werden im Durchschnitt 30 – 60 Jahre alt und bereits nach 3 – 4 Jahren kann man das erste Mal ernten. Die Bäume sind recht anfällig für Krankheiten, weswegen die heute in der Pfalz blühenden Bäume auch nicht kommerziell genutzt werden. Es wäre einfach zu aufwändig, die Ernte zu “beschützen”.

Die Mandel als Zweiteinkommen der Weinbauern

Die Mandel war im Mittelalter für die Weinbauern eine “Ausfallversicherung”, wenn es mit dem Wein in einer Saison mal nicht so geklappt hat. Dank der rund 1.800 Sonnenstunden im Jahr, gab es hier nämlich die optimalen klimatischen Bedingungen für eine reiche Mandelernte und so wurde im Mittelalter ganz Deutschland mit den beliebten Pfälzer Mandeln beliefert. Um 1900 hörte der Siegeszug der Pfälzer Mandel aber langsam auf. Der Bedarf konnte günstiger mit ausländischen Mandeln gedeckt werden, die Produktion in der Pfalz wurde zu teuer und 1928 gab es die letzte kommerzielle Mandelernte.

Trotzdem wollte die Region auf die tollen Blüten nicht verzichten und so wurde aus der Nutzpflanze eine reine Dekoration. Wobei die Mandeln der Bäume mit den pinken Blüten die Bittermandeln sind und Blausäure enthalten. Sie wurden früher sogar als Rattengift eingesetzt. Die Bäume der leckeren Süßmandeln haben weiße Blüten. Weil es hübscher aussieht, werden heute von den über 75 existierenden Mandelbaum-Sorten überweigend die pinken angepflanzt. Zum Glück, so haben wir alle Jahre wieder die Möglichkeit, uns eine Auszeit in Pink zu gönnen.

 

Wo man mich noch findet:

1 Kommentar

  1. Auch ich war überrascht, wie gut sich 200.000 Bäume gut in der Region verteilen können. 😉 Ich hatte mir mehr rosa, mehr Blüten, mehr Frühling überall vorgestellt – also flächendeckend quasi. Oftmals sind hier und da ein paar Bäume und dann gibt es wieder Oasen, wo man richtig in einen Blütenruasch geraten kann 🙂 Egal wie: Mein WE war herrlich. Danke Dir für Deine Eindrücke, denn gewandert bin ich bei meinem Wochenende nicht 😉

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