10 - 20 km Wandern Wandern in Belgien

Auf dem GR563 von Eynatten nach Eupen – Wanderung über Stock und Stiegel

Frühstückstisch

In Ostbelgien kann man super Frühstücken.

Ostbelgien (Info) ist so nah – trotzdem brauchte ich erst eine Einladung von Best of Wandern, um hier ein wunderbares Wanderwochenende zu verbringen. Im Rahmen der Aktion “Unterwegs zu Hause” ging es Ende Juni 2018 bei herrlichem Wetter und mit vielen Erwartungen nach Raeren. Dieser kleine Ort direkt hinter der Grenze zu Deutschland bei Aachen war mir wohlbekannt. Haben doch hier eine Zeit lang Freunde von uns gewohnt, die wir einige Male besucht haben.

Grüne Wiesen in Ostbelgien

Herrlich dieses Wetter

Tatsächlich war ich noch nie in Ostbelgien wandern

Stiegel in Ostbelgien

Durch ein Drehrad geht es auf die dahinterliegende Wiese

Untergebracht waren wir im “Landhauszimmer” bei Rudolf und Rita Hans. Dieses zauberhafte und ganz liebevoll von den beiden geführte B&B kann ich jedem nur wärmstens ans Herz legen. Zum einen sind die Zimmer richtig  wunderbar gemütlich und das Frühstück einfach phantastisch… zum anderen sind die beiden Gastgeber unglaublich herzlich und wer vorher Bescheid gibt, der wird von Rudolf auch nach allen Regeln der Kunst bekocht. Wenn ihr mal in Ostbelgien unterwegs seid – egal ob zum Wandern oder mit dem Rad auf der Vennbahn – lasst euch das nicht entgehen!

Das Hasenmuseum in Ostbelgien

Das Möhrenmuseum ist ein Turm, in dem man sich auf Knopfdruck verschiedene Tafeln mit Möhren angucken kann. Genial.

Nach einem ausgiebigen Frühstück am nächsten Morgen geht es dann ausgeruht und gestärkt in den Tag. Und der startet beschwingt, denn wir besichtigen eine der ältesten Destillerien Belgiens – die Brennerei-Destillerie Radermacher. Wir bekommen eine unglaublich interessante Führung von Inhaber Bernard Zacharias und am Ende gibt es noch eine kleine Verkostung *hicks. Lecker – ein paar Flaschen wechseln den Besitzer, denn kaufen kann man hier direkt auch etwas.

So – jetzt aber los. Schließlich soll heute auch noch gewandert werden. Für heute hat die Tourismusagentur Ostbelgien (vielen Dank auf diesem Weg nochmal an Dany Heck und sein Team) für mich den GR 563 von Eynatten nach Eupen rausgesucht. Na gut, eigentlich sollte ich erst ab Raeren in die Etappe einsteigen… aber da bin ich Monk. Warum nur ein Teilstück gehen, wenn ich auch die komplette Etappe gehen kann? Und da Albert dabei ist und nicht wandert, fährt er mich mal eben nach Eynatten. Bei dem herrlichen Wetter heute wäre es eine Verschwendungen die 5,5 km wegzulassen.

Das Sonne strahlt – die Farben leuchten. Ostbelgien empfängt mit mich offenen Armen.

Burg Raeren

Burg Raeren

Stiegel

Wieder ein Stiegel – diesmal ein Törchen

Anfangs startet die Tour noch ganz “normal”. Ich gehe mitten in Eynatten los, finde an einem am Wegesrand stehenden Bücherschrank meinen ersten Cache und freue mich auf einen gemütlichen Tag. Das der Tag spannender wird, als anfangs gedacht, liegt vielleicht daran, dass ich mich im Vorfeld noch nicht mit Ostbelgien und der Landschaft hier vertraut gemacht habe. Oder hättet ihr gedacht, dass man hier über Felder geht und einer riesigen Herde Kühe plötzlich auf der gleichen Weide gegenübersteht? Also ich nicht.

Wiese in Ostbelgien

Hier führt mich der Weg lang…

Blühende Wiese

… oder hier lang.

Das Wort Stiegel habe ich im Rahmen dieser Wanderung gelernt.

Aber tatsächlich ist es so, dass meine heutige Wanderung hauptsächlich über  Felder, Wiesen und Weiden führt. Man betritt diese Nutzflächen über und durch sogenannte Stiegel. Das sind eng stehende Pfähle, keine Drehtore oder Törchen, die die Tiere auf den Weiden halten, Wanderer aber durchlassen sollen. Teilweise sind die Stiegel auf dieser Tour total zugewachsen und ich quetsche mich durch Brennnesseln oder bleibe an Brombeersträuchern hängen. Einfach toll! Ich bin total begeistert. Und es ist auch spannend. Man weiß nie, was einen hinter der nächsten Hecke erwartet.

Kühe in Ostbelgien

Ja, auch diese Kuhwiese galt es zu überqueren. Und glaubt mir… ich tat es ganz langsam und mit klopfendem Herzen.

Zum Glück ist aber nur eine der Weiden, die mir auf der heutigen Ostbelgien Tour unter die Füße kommen, “bewohnt”. Die andere sind dafür entweder frisch gedüngt oder mit hüfthohem Gras bewachsen. Es gibt Maisfelder in unterschiedlichen Wachstumsphasen und auf einer Wiese wird gerade das Heu eingefahren (und ich beim überqueren mit frisch geschnittenem Gras geduscht). Auf einer besonders heuschnupfengefährdeten Wiese blicke ich verwundert auf mein Garmin. Hmm – ich bin richtig, aber wie geht es weiter? Es ist kein Weg zu erkennen. Die Wiese ist ummauert und einen Ausgang sehe ich nicht.

Wiese

… und auch diesem Trampelweg bin ich gefolgt.

Maisfeld in Ostbelgien

… und durch dieses Maisfeld.

Abwechslungsreich ist diese Wanderung

Ein Bauernhof in Ostbelgien

Die Knoppenburg

Was tun? Ich gehe einfach mal ganz stur nach dem Navigationsgerät und siehe da, dort gibt es einen kleinen Spalt zwischen einer Mauer und einer Hecke. Das kann doch nicht deren Ernst sein? Hier geht der Weg lang? Na gut, ich zwänge mich durch und nach ca. 200 Metern sehe ich wieder Tageslicht. Und tatsächlich, genau hier hinein zeigt die Wegemarkierung aus der anderen Richtung. Verrückt.

Ein solcher Weg macht richtig Spaß. Vor allem, wenn es auch noch andere Kleinode am Wegesrand zu entdecken gibt. Beispielsweise Burg Raeren (wer mag, besichtigt das Töpfereimuseum), die Knoppenburg (ein ehemaliger Bauernhof aus dem 16. Jahrhundert) oder das wohl weltweit einzige Möhrenmuseum. Genial!

Feld in Ostbelgien

Sieht das frisch gemähte Feld nicht surreal aus? Als ich hier drüber wandere…

Landwirtschaftliche Maschinen

… bekomme ich eine Grasdusche.

Nachdem ich kurz hinter Raeren zwei Maisfelder durchwandert habe (wer muss da nicht sofort an Stephen King denken?), erreiche ich eine Straße, der ich ungefähr 2,5 Kilometer lang folge. Nach dem spannenden und abwechslungsreichen Wegstück vorher, ist es hier recht langweil. Dafür habe ich auf der linken Seite einen wunderbaren Blick. Und bei dem strahlenden Sonnenschein heute bescheren mir der blaue Himmel und die grünen Wiesen einige Glücksmomente.

Jetzt geht es runter von der Straße und ab in den Wald 

Wald in Ostbelgien

Schön sortiert. Alle Nadelbäume nach rechts, alle Laubbäume nach links.

Trotz des schönen Blicks freue ich mich, als die Wanderung mich links in den Wald hinein führt. Und Ostbelgien zeigt sich von seiner waldigen Seite. Anfangs wandere ich noch auf einem breiten Weg, doch dann wird es immer schmaler. Richtig so – ich hatte lange genug Zeit, mich zu erholen. Jetzt muss ich wieder auf meine Schritte achten, um nicht zu stolpern.

See im Wald in Ostbelgien

Eine letzte Pause am See

Ich bin immer noch im Wald unterwegs, als ich die ersten Häuser von Eupen sehe. Trotzdem sind es noch ein paar Höhenmeter, die mich von meinem Ziel trenne. Von oben blicke auf die Stadt herab, während ich auf einer Anhöhe am Stadtrand entlanggehe. Nachdem ich die N68 überquert habe, weiche ich vom vorgegebenen Track ab und gehe links die Treppen runter zu unserem heutigen Nachtquartier, dem Hotel Ambassador Bosten.

Eupen

Angekommen in Eupen

Fazit

Eine herrlich abwechslungsreiche Tour mit vielen Überraschungen. Und das alles quasi bei mir vor der Haustür. Ich bin total begeistert und kann nur allen Empfehlen, mal nach Ostbelgien zu kommen und über die Felder und Wiesen zu wandern. Gerne mit Kind und Kegel, denn besonders das Stück mit den Stiegel ist auch für Nichtwanderer ein Highlight.

Den Track zur Tour könnt ihr euch bei Outdooractive runterladen. Und für die Geocacher unter euch habe ich wie immer ein paar Cache direkt auf dem Weg rausgesucht (der im Bücherschrank hat mir besonders gut gefallen): GC79HYK, GC1XAMZ, GC7B7B2, GC1VCQC und GC22XA1.

Statistik Wanderung OstbelgienFür die Statistik
18,4 km
4 Stunden 19 Minuten in Bewegung
35 Minuten Pause
4,4 km/h reine Gehzeit
3,9 km/h inkl. Pause

 

Das Höhenprofil der Tour (aber “andersrum” – die Tour auf Outdooractive führt von Eupen nach Eynatten)

 

Wo man mich noch findet:

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